Die Landtagspräsidentin Astrid Wallmann und Hessens Heimatminister Ingmar Jung haben auf Burg Gleiberg in Wettenberg vier LandHeldinnen 2026 ausgezeichnet. Der Preis wird seit 2022 alle zwei Jahre vergeben und ist mit insgesamt 8.000 Euro dotiert. Die diesjährige Preisverleihung stand unter der Schirmherrschaft der Landtagspräsidentin.
„Unsere ländlichen Regionen leben von Menschen, die Verantwortung übernehmen und etwas bewegen wollen. So wie unsere sieben LandHeldinnen. Sie zeigen, wie vielfältig Engagement sein kann: von Unternehmertum und Landwirtschaft, über Sport und Integration, bis hin zur Belebung von Dörfern und dem Erhalt historischer Orte. Dieser Einsatz macht deutlich, dass Innovation und Veränderung auch und gerade aus unseren Dörfern heraus entstehen. Diese Leistungen wollen wir sichtbar machen“, sagte Heimatminister Ingmar Jung.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann betonte: „Frauen gestalten Hessen – gerade auch in unseren Dörfern und kleinen Städten. Vieles von dem, was sie leisten, geschieht mit großer Selbstverständlichkeit und erfährt daher im Alltag oftmals nicht die Würdigung, die ein solches Engagement verdient hätte. Die Auszeichnung ‚LandHeldin‘ macht diese Frauen sichtbar und zeigt zugleich: Wer Verantwortung übernimmt, Ideen entwickelt und andere auf diesem Weg mitnimmt, kann die eigene Heimat nachhaltig verändern. Die Preisträgerinnen sind in dieser Hinsicht besondere Vorbilder.“
Sieben Frauen, vier Geschichten – ein gemeinsames Ziel
Aus insgesamt 136 Bewerbungen hat die Jury sieben Preisträgerinnen ausgewählt. Sie stehen stellvertretend für die große Bandbreite des Engagements von Frauen in Hessens ländlichen Regionen:
Esther Herzog, Katharina Lang, Ines Klaas und Tatjana Drechsel, Heldinnenwerk e. V., Hüttenberg
Esther Herzog, Katharina Lang, Ines Klaas und Tatjana Drechsel werden gemeinsam für ihr Engagement im Heldinnenwerk e. V. in Hüttenberg ausgezeichnet. Das Ende 2023 gegründete Netzwerk von und für Unternehmerinnen und Gründerinnen bietet Frauen Raum für Austausch, Beratung, gegenseitige Unterstützung und Vernetzung. Mittlerweile gehören dem Verein mehr als 210 Frauen an. Mit regelmäßigen Werkstreffen und weiteren Angeboten schafft das Heldinnenwerk Sichtbarkeit für Unternehmerinnen und ermutigt Frauen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht Konkurrenz, sondern gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Wachstum. Damit stärkt das Netzwerk nicht nur einzelne Frauen, sondern auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Region Mittelhessen.
Annemarie Duske, Ebsdorfergrund-Rauischholzhausen
Annemarie Duske verbindet seit Jahrzehnten unternehmerisches, landwirtschaftliches und ehrenamtliches Engagement. In Rauischholzhausen hat sie das Dorfleben entscheidend mitgeprägt. Sie engagierte sich im Kirchenvorstand, baute einen Kindergottesdienst sowie eine Jugendgruppe auf und führte den landwirtschaftlichen Familienbetrieb bereits 1987 als einen der ersten Betriebe der Region in die ökologische Landwirtschaft. Mit Backstube, Direktvermarktung und einer Kooperation mit der örtlichen Molkerei entwickelte sie ihren Hof weiter und wurde zu einer anerkannten Stimme für moderne Landwirtschaft. Seit 15 Jahren steht sie an der Spitze der von ihr mitbegründeten Dorfgemeinschaft Rauischholzhausen e. V. Mit Dorffesten, Kulturveranstaltungen und Begegnungsangeboten stärkt sie den Zusammenhalt der Generationen und die Integration neu zugezogener Menschen. Auch im Alter von 70 Jahren ist ihr Engagement ungebrochen. Aktuell absolviert sie eine Ausbildung im Netzwerk „Familie & Betrieb“, um künftig familiengeführte Betriebe bei Konflikten zu unterstützen.
Sengül Ciplak aus Korbach
Sengül Ciplak steht für Sport, Integration und weibliche Vorbildfunktion. Seit ihrem elften Lebensjahr ist sie im Taekwondo aktiv. Nach einer erfolgreichen Wettkampfkarriere mit zahlreichen Turniersiegen und Landesmeistertiteln engagiert sie sich seit fast 30 Jahren als Trainerin beim TSV Korbach. Als erste Frau ihrer Abteilung erlangte sie den ersten Meistergrad und hat sich damit in einer Sportart, in der Frauen in Trainerrollen noch immer selten sind, eine besondere Vorbildfunktion erarbeitet. Mit Angeboten wie „Kickboxen für Frauen und Mädchen“ stärkt sie Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Besonders hervorzuheben ist ihr Engagement für Integration: Bereits 2015 bot sie Training für Geflüchtete in Flüchtlingsunterkünften an. Heute leitet sie unter anderem eine Anfängereinheit im Rahmen des DOSB-Programms „Integration durch Sport“. Über die Jahre trainierten dort Menschen aus mehr als 30 Nationen gemeinsam. Mit ihrem Einsatz stärkt Ciplak den Zusammenhalt im Verein und in ihrer Region. Privat zog sie drei Kinder alleine groß und engagiert sich zusätzlich seit Jahrzehnten mit großer Tatkraft für andere.
Gülilah Almut Lillith Schmidt aus Wanfried
Gülilah Almut Lillith Schmidt hat gemeinsam mit ihrem Mann und ihren vier Kindern ein verfallenes historisches Rittergut in Wanfried-Aue erworben und zu einem neuen Mittelpunkt des Dorflebens entwickelt. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem 16. Jahrhundert wird durch ihr Engagement zu einem Ort, an dem Gemeinschaft, Ehrenamt und regionale Wirtschaft zusammenfinden. Schmidt bringt Vereine, Ehrenamtliche, Handwerker, regionale Produzenten, Familien und Menschen verschiedener Generationen zusammen. Sie entwickelt einen Dorfladen, organisiert Veranstaltungen und schafft neue Möglichkeiten für Begegnung und Beteiligung. Entscheidend ist dabei ihre Fähigkeit, andere Menschen für ihre Ideen zu gewinnen und ihnen das Gefühl zu geben, mitgestalten zu können. Aus dem historischen Rittergut ist so ein identitätsstiftender Ort für das Dorf entstanden. Mit der Gründung einer gemeinnützigen GmbH wird derzeit zudem ein generationenübergreifendes Wohnprojekt auf dem Rittergut vorbereitet.
Hintergrund
Mit der Auszeichnung LandHeldin setzt die Hessische Landesregierung gemeinsam mit dem Netzwerk LandHessinnen ein Zeichen für die Bedeutung von Frauen als Gestalterinnen in ländlichen Regionen. Ausgezeichnet werden können sowohl Einzelpersonen als auch Projekte, Institutionen oder Vereine, in denen Frauen eine prägende Rolle übernehmen.